Karenz, Mitarbeiterbindung & Employerbranding. So gehts!

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©Depositphotos/royalty (Stefan Amer)

24.04
am 24.04.182018-04-25
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Karenzen, ein Thema das seit jeher Unternehmen vor diverse Herausforderungen stellt. Sei es auf Grund der verschiedenen Karenzmodelle, der rechtlichen Aspekte oder einfach andere Hürden.

 

Welche Modelle es gibt, worauf Unternehmen achten müssen, wie MitarbeiterInnen die sich in der Karenz befinden gehalten und wie sie nach der Karenz am effektivsten wieder ins Unternehmen eingegliedert werden können, möchte ich in einem dreiteiligen Blogbeitrag aufzeigen.

 

 

Wie können MitarbeiterInnen in Karenz an das Unternehmen gebunden werden?

 

Das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sowie das damit Hand in Hand gehende Thema „Karenz“ wird seit Jahrzehnten von der Politik diskutiert, aber eine Lösung gibt es deshalb noch lange nicht. Und glauben Sie mir, ich war in den letzten Wochen und Monaten intensiv auf der Suche danach.

 

Ich habe als Personalistin immer wieder mit dem Thema „Karenz“ und „Mutterschutz“ zu tun. Neuerdings kann ich aber auch aus der Perspektive einer Mutter, die zwar sehr gerne Zeit mit ihrem Kind verbringt, aber auch beruflich aktiv bleiben möchte, berichten.


Viele, die in ihrem Job sehr zufrieden waren, und ich darf mich zu den Glücklichen zählen die das behaupten können, haben selten Angst davor, dass sie den Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht schaffen. Vielmehr stellen sich Frauen die Frage, wie der Wiedereinstieg nach der Karenz aussieht. Frauen und ich sage hier bewusst „Frauen“, denn wenn wir ehrlich sind zeigen die Zahlen der Väterkarenz in Österreich zwar einen leichten Anstieg, aber als Musterschüler in Sachen Väterkarenz gehen wir noch lange nicht durch.


Wie gut informierte Personalisten wissen, muss einem Karenzrückkehrer nichtunbedingt der gleiche Job angeboten werden. Denn es reicht ein Angebot in ähnlicher Form, der dem Funktions- und Gehaltsgrad vor der Karenz entspricht. In der Theorie hört sich das schön und gut an, aber wie glücklich ist ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin mit einer „ähnlichen“ Position denn wirklich?


Für Unternehmen, die eine hohe Frauenquote haben, wird das Thema umso spannender. Denn diese Unternehmen müssen sich mit den Ängsten ihrer MitarbeiterInnen auseinandersetzten, um ihre Talente nicht an die Frage „Familie oder Beruf“ zu verlieren.


Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen eingreifen und flexible Lösungen anbieten, damit das große Potenzial der Damen in der Arbeitswelt nicht ungenutzt bleibt. Wichtig ist daher schon während der Karenzzeit passende Maßnahmen zu treffen und mit den richtigen Lösungen und Methoden zu arbeiten. Wie können Lösungen für MitarbeiterInnen, die sich in Karenz befinden, aussehen und was ist dabei zu beachten?

 

 

 

 

8 Tipps für HR im Umgang mit Karenzierung von MitarbeiterInnen


1. Offene und angstfreie Kommunikation

 

Fördern Sie in ihrem Unternehmen eine offene und angstfreie Kommunikation zum Thema Karenz. Denn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin wird einer Führungskraft, die bei der freudigen Nachricht einer Schwangerschaft die Hände über den Kopf zusammenschlägt, nicht gerne offen über ihre Wünsche und Vorstellungen sprechen.

 

 

 

2. Führungskräfte müssen eingebunden werden

 

Ein strategisches Karenzmanagement funktioniert nur dann, wenn das Top Management den Führungskräften klar machen kann, dass eine Karenz kein Weltuntergang ist und mit dem Thema wertschätzend umgegangen wird. Es ist nur verständlich, dass sich Führungskräfte um die Effizienz und Leistungsfähigkeit ihrer Teams sorgen, wodurch oft unpassende Handlungen und Reaktionen hervorgerufen werden können. Daher ist es umso wichtiger, dass Führungskräfte geschult werden und ihnen die rechtliche Situation zum Thema Karenz erläutert wird.  Nur so kann vom Prozessbeginn an gewährleistet werden, dass MitarbeiterInnen sich geschätzt und willkommen fühlen und einer offenen Kommunikation nichts im Wege steht.

 


3. Eckpunkte der Karenz

 

Versuchen Sie so früh wie möglich wichtige Eckpunkte der Karenz abzustecken. Hier ein paar Vorschläge:

  • Möchte die Jungmama in der Karenz arbeiten? Was stellt sie sich vor und welche Möglichkeiten gäbe es prinzipiell im Unternehmen (Achtung rechtlicher Rahmen)?
  • Karenzzeiten: Wie lange soll die Karenz dauern?
  • Welche Beschäftigungsform würde sich die Jungmama bei Rückkehr in den Betrieb wünschen?

Durch das Aufzeigen von Möglichkeiten kann schnell eruiert werden, was von den MitarbeiterInnen gewünscht wird. Somit kann schon frühzeitig mit der Personalplanung, welcher einer der wichtigsten Punkte beim Thema Karenz ist, begonnen werden.

 


4. Aktive Kommunikation

 

  • Durch Karenzantrittsgespräche kann verhindert werden, dass wichtige Informationen und Schritte übersprungen werden.
  • Auch während der Karenz sind regelmäßige Zwischengespräche wichtig und ermöglichen MitarbeiterInnen den regelmäßigen Austausch mit dem Unternehmen. Dadurch fühlen sich MitarbeiterInnen geschätzt und bleiben auch während der Karenz mit dem Unternehmen verbunden.
  • Nutzen Sie den Newsletter! Viele Unternehmen bieten Newsletter für regelmäßige Updates zum Unternehmen an. Was spricht dagegen, dass auch die karenzierten Mitarbeiter diesen Newsletter erhalten? Bieten Sie also den karenzierten Mitarbeitern den Newsletter proaktiv an.
  • Weiterbildungen können auch während der Karenz der Mitarbeiterinnen erfolgen. Das hat unterschiedliche Vorteile. Einerseits sind Mitarbeiterinnen weiterhin aktiv im Geschehen involviert, kostenintensive Wiedereinstiegsschulungen fallen weg und die Onboardingphase verkürzt sich dadurch.
  • Professionelle Rückkehrgespräche, um Möglichkeiten und Wünsche auszuloten und einen gemeinsamen Weg zu finden.
  • Achja, vergessen Sie nicht zur Geburt zu gratulieren ;). 

 

 

5. Die richtige Karenzmanagementstrategie

 

Legen Sie sich als Unternehmen eine Karenzmanagementstratgie zurecht. Hierbei sollte bedacht werden, welche Lösungen für Mitarbeiter wichtig sind und was davon angeboten werden kann. WICHTIG: Die Lösungen müssen auch für das Unternehmen machbar sein! Konzepte nur am Papier zu präsentieren macht erfahrungsgemäß wenig Sinn und niemanden glücklich. Überlegen Sie sich daher gut, was Sie schon während aber auch nach der Karenz anbieten können und wollen. Das nimmt Ihren MitarbeiterInnen schon im Vorfeld Ängste und zeigt Perspektiven auf.

 

Mögliche Angebote für Mitarbeiter nach der Karenz

 

 

 

6. Kinderbetreuung

 

Das Thema der Kinderbetreuung ist wohl die größte Herausforderung beim Wiedereinstieg in den Job. Wenn es möglich ist, bieten sie eine gute Kinderbetreuung an, um Mitarbeiterinnen schon während der Karenz stundenweises Arbeiten zu ermöglichen. Das bedeutet nicht, dass Sie eine eigene Krabbelstube im Unternehmen eröffnen müssen. Oft erleichtern Kooperationen mit Kindergärten den Mitarbeitern die Entscheidung, so schnell wie möglich wieder am Arbeitsgeschehen teilnehmen zu können. Auch wenn dies nur für ein paar Stunden die Woche sein mag. 

 

 

7. Väterkarenz

 

Unterstützen Sie das Thema Väterkarenz. Ermöglichen Sie auch Ihren männlichen Mitarbeitern, um ihre Sprösslinge zu sorgen. Leben Sie dies auch vor, denn so erfahren ihre Mitarbeiter Chancengleichheit auf ganzer Linie. Das steigert nicht nur die Mitarbeiterbindung, sondern auch die Arbeitgeberattraktivität.

 

 

8. Zeitmodelle

 

Erarbeiten Sie so viele Zeitmodelle wie es ihr Unternehmen zulässt. Somit wird ein hohes Maß an Flexibilität geschaffen. Es bedeutet jedoch nicht, dass für jeden Mitarbeiter ein eigenes Modell erarbeitet werden kann. Als HR-Verantwortliche kann man lediglich versuchen, so viel wie möglich umsetzbare und finanzierbare Modelle anzubieten.

 

 

 

 

Fazit

Arbeitnehmerinnen werden nicht nur beim Thema Karenz immer mehr Flexibilität ihrer Arbeitgeber fordern. Daher ist es wichtig auf die Dinge, die beeinflussbar sind, vorbereitet zu sein. Und so schwer und kompliziert das Thema Karenz auch scheinen mag. Wenn man sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzt, finden sowohl große als auch kleine Unternehmen viele Ansatzpunkte, um ihre MitarbeiterInnen auch über die Karenz hinaus an das Unternehmen zu binden. Außerdem kann so die Arbeitgeberattraktivität am Markt aufrecht erhalten oder sogar gesteigert werden.

 

Mehr Informationen zum Thema Karriere und Karenz finden Sie unter folgendem Link.

 

 



PERDINO

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